Todesfall – praktische Orientierung in schweren Zeiten

Einen geliebten Menschen im Todesfall zu verlieren, ist ein schmerzhafter Einschnitt im Leben. Diesen Verlust emotional zu verkraften, ist eine der schwersten Aufgaben, vor die uns das Leben stellt. In diesen Augenblicken müssen die Angehörigen diverse Entscheidungen treffen und viele Behördengänge absolvieren, obwohl es nichts mehr wirklich wichtig erscheint.

Insbesondere wenn es sich um einen Todesfall einer Person ausländischer Herkunft handelt und in der Familie die Muttersprache des Verstorbenen gepflegt wurde, die nicht Deutsch ist, können die administrativen und geschäftlichen Aufgaben, die auf die Familie zukommen, besonders schwer zu verkraften sein. Zudem es Fristen gibt, die es zu beachten gilt. In der Regel übernimmt der Bestatter oft die nötigen Behördengänge, dennoch bleibt die Belastung da.

Dieser Leitfaden stellt die erste Hilfe in den schweren Stunden, Tagen und Wochen dar und verschafft einen Überblick über die wichtigsten Sachen, die es in dieser Situation zu beachten gibt. Die Intention dieses Textes ist es, etwas Klarheit in einer emotional aufwühlenden Zeit zu verschaffen.

In diesem Artikel:
1. Todesfall – praktische Orientierung in schweren Zeiten
2. Orientierung im Todesfall – Checkliste
3. Totenschein & Sterbeurkunde – nicht verwechseln
4. Unterlagen für die Ausstellung einer Sterbeurkunde
5. Sterbefall im Ausland
6. Checklisten – Erste Orientierung im Trauerfall

Orientierung im Todesfall – Checkliste

Zur besseren Bewältigung des organisatorischen Aufwandes sollte man die Aufgaben am besten schrittweise nach dem folgenden Schema erledigen.

In den ersten Stunden nach dem Tod
• einen Arzt verständigen, der den Tod offiziell fest- und einen Totenschein ausstellt
• engste Angehörige über den Trauerfall benachrichtigen
• ein Bestattungsunternehmen zur Organisation der Beisetzung kontaktieren
• wichtige Unterlagen des Verstorbenen zusammenstellen (Personalausweis, Geburtsurkunde, Heiratsurkunde bzw. das Familienstammbuch, ggfs. Scheidungsurkunde, ggfs. Totenschein des Partners)
• den Transport der verstorbenen Person zur Leichenhalle veranlassen

Bis zur Beisetzung
• Todesfall beim Standesamt melden und Sterbeurkunde mithilfe des Totenscheins ausstellen lassen
• Beisetzung planen (Tag und Bestattungsart, Absprachen mit Friedhofsverwaltung, mit Geistlichem oder privatem Trauerredner, Sarg und Kleidung auswählen, bei Feuerbestattung – amtsärztliche Untersuchung und ggfs. Einäscherungsgenehmigung erforderlich)
• Evtl. existierendes Testament beim Amtsgericht (Nachlassgericht) abgeben, ggf. Erbschein beantragen
• Weitere Bekannte informieren und Trauerkarten und -anzeigen in Auftrag geben (bieten auch Bestatter an)
• Evtl. Gaststätte für Kaffee/Kuchen nach der Trauerfeier reservieren
• Krankenkasse und evtl. Arbeitgeber des Verstorbenen informieren
• Kreditinstitute, Versicherungen und Rentenversicherung kontaktieren
• Antrag auf Fortzahlung der Rente beim Rentenservice der Deutschen Post stellen. Diese wird für drei Monate weitergezahlt
• Ggf. besteht eine Lebens-, Risikolebens- oder eine private Unfallversicherung. Daraus ergeben sich evtl. weitere Leistungen an die Hinterbliebenen. Gesellschaften kontaktieren und weiteres Vorgehen absprechen.
• Evtl. existiert auch eine Sterbeversicherung zur Finanzierung der Beisetzung.

Nach der Beisetzung
• Danksagungen verschicken bzw. entsprechende Zeitungsanzeige schalten
• Witwen-, Witwer- oder Waisenrente beantragen
• Krankenversicherung von Familienmitgliedern neu regeln
• Bestehende Verträge bei der Bank kündigen ( Girokonto, Daueraufträge, Karten, Kredite)
• Bestehende Versicherungen umschreiben oder kündigen (Unfallversicherung, Lebensversicherung, Sterbegeldversicherung, Hinterbliebenenversicherung, Krankenversicherung, Private Haftpflichtversicherung, Hausratversicherung, Wohngebäudeversicherung, Kfz-Versicherung, Rechtschutzversicherung)
• Angelegenheiten rund um die Wohnung klären (Mietvertrag, Rundfunkgebühren, Internet- und Telefonanschluss, Gas-, Wasser- und Stromanschluss kündigen), ggf. gebuchte Reisen oder andere geplante Ausflüge stornieren
• Abonnements von Zeitungen, anderen Dienstleistern (Lotto usw.) und Mitgliedschaften bei Vereinen, Verbänden, Bibliotheken kündigen
• Mit anderen Erben sich über die Verteilung weiterer Erbstücke (Möbel, Sammlungen, Bilder) einigen
• Finanzielles Erbe beim Finanzamt anzeigen
• Weitere Pflege des Grabes abklären und nach etwa sechs Monaten einen Steinmetz für Grabeinfassung und Grabstein beauftragen

Totenschein & Sterbeurkunde – nicht verwechseln

Der Totenschein (auch Todesbescheinigung, Leichenschauschein (L-Schein) genannt) ist in Deutschland eine öffentliche Urkunde, in der der Tot eines Menschen bescheinigt wird. Er ist die Voraussetzung für die Ausstellung der standesamtlichen Sterbeurkunde und ist somit nicht mit ihr zu verwechseln.

Um einen Totenschein auszustellen, muss der Arzt eine sehr gründliche Untersuchung des Verstorbenen durchführen und die Ergebnisse genau dokumentieren. Man spricht dabei von der Leichenschau. Nur wenn eine Leichenschau erfolgt ist und der Totenschein ausgestellt wurde, kann das Standesamt die Sterbeurkunde ausstellen und der Bestatter die Beerdigung durchführen.

Der Totenschein beinhaltet Personalien und Zeit und Ort des Todesfalls, wenn möglich eine Todesursache und die Todesart, also, ob es sich um einen natürlichen oder nicht natürlichen Tod handelt (Leichenschau). Der Aufbau des Formulars und die Art der darin zu vermerkenden Angaben variieren geringfügig in den einzelnen Bundesländern. Das liegt daran, dass das Bestattungsgesetz Länder- und nicht Bundesangelegenheit ist (Föderalismus).

Die Sterbeurkunde ist eine Personenstandsurkunde und gilt als eine amtliche Bestätigung des Todesfalls. Sie wird von dem zuständigen Standesamt, in dessen Bezirk der Todesfall eingetreten ist, ausgestellt. Das Standesamt ist spätestens am dritten Werktag nach dem Todestag zu informieren.

Die Sterbeurkunde enthält gemäß § 60 des Personenstandsgesetzes folgende Angaben:
• Vornamen und der Familienname des Verstorbenen
• Ort und Tag seiner Geburt
• seine rechtliche Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft (sofern sich die Zugehörigkeit aus dem Registereintrag ergibt)
• der letzte Wohnsitz und der Familienstand des Verstorbenen
• der letzte Ehegatte oder Lebenspartner des Verstorbenen, falls dieser zum Zeitpunkt des Todes verheiratet war oder eine Lebenspartnerschaft führte
• Sterbeort und Zeitpunkt des Todes

Sterbeurkunden werden häufig als Nachweis für folgende Leistungen benötigt: beim Nachlassgericht für den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins, für Rentenanträge und andere Versicherungsleistungen.

Unterlagen für Ausstellung der Sterbeurkunde

Je nach Familienstand des Verstorbenen müssen zur Antragstellung unterschiedliche Dokumente im Original beim Standesamt eingereicht werden.

Dokumente für ledige Verstorbene
• Totenschein
• Personalausweis
• Geburtsurkunde

Dokumente für verheiratete Verstorbene
• Totenschein
• Personalausweis
• Geburtsurkunde
• Heiratsurkunde (Familienbuch/Stammbuch)

Dokumente für verwitwete Verstorbene
• Totenschein
• Personalausweis
• Geburtsurkunde
• Heiratsurkunde (Familienbuch/Stammbuch)
• Sterbeurkunde des Partners

Dokumente für geschiedene Verstorbene
• Totenschein
• Personalausweis
• Geburtsurkunde
• Heiratsurkunde (Familienbuch/Stammbuch)
• Scheidungsurteil mit Rechtskraftvermerk

Sterbefall im Ausland

Ein Todesfall fern der Heimat bringt für die Hinterbliebenen eine zusätzliche emotionale Belastung mit. Stirbt ein Angehöriger im Ausland, bedeutet das einen organisatorischen und finanziellen Mehraufwand für sie. Auf die Besonderheiten beim Sterbefall im Ausland verweise ich auf den Artikel Sterbefall im Ausland – was tun? Dort erfahren Sie unter anderem was eine Internationale Sterbeurkunde ist und wann eine Nachbeurkundung der Sterbeurkunde im deutschen Sterberegister sinnvoll ist.

Checklisten – Erste Orientierung im Trauerfall

Erst kommt ein Schock, dann die Trauer. Ein Todesfall in der Familie bedeutet immer eine enorme emotionale Belastung für alle Familienmitglieder. Doch trotz großer Trauer und emotionaler Aufgewühltheit müssen Fristen und Pflichten eingehalten werden, sind Behördengänge zu erledigen und die Beerdigung und Trauerfeier zu organisieren. Dabei kennen die wenigsten alle Regelungen und Vorschriften bei einem Sterbefall und wissen, was genau zu tun ist.

Die dargestellten Checklisten, Hinweise und Tipps fassen die wichtigsten Schritte zusammen und erklären, was zu tun ist – von den ersten Schritten bei Eintritt des Todesfalls, über die Organisation des Begräbnisses bis hin zu wichtigen Formalitäten und Verwaltungsaufgaben. Ich hoffe, damit den Hinterbliebenen ein Werkzeug an die Hand gegeben zu haben, die die erste Orientierung in den schwierigen Augenblicken gibt.